Fußbälle

z.B. Fußbälle aus Pakistan
ballFußbälle, Handbälle, Beachvolleybälle
Herkunftsland: Pakistan
Produzent: Talon Sports
Importeur: gepa

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 hatte die gepa den Ball im fairen Handel ins Rollen gebracht. Die fair gehandelten Bälle werden nicht nur ohne Kinderarbeit hergestellt, sondern die Näherinnen und Näher erhalten auch mehr Lohn als üblich – damit Kinder erst gar nicht gezwungen sind, mitzuarbeiten. Acht von zehn Fußbällen weltweit kommen aus der pakistanischen Stadt Sialkot und Umgebung.

Alle Matchbälle für die Fußball-WM 2002 wurden in Marokko genäht. Aber aus Pakistan kommt immer noch der größte Anteil, nämlich bis zu 40 Millionen Bälle jährlich.

Inzwischen wurden von der gepa ca. 198.000 Bälle verkauft. Davon waren für den Vertrieb in Deutschland ca. 120.000 Stück , während 78.000 Stück an andere europäische Fair Handelsorganisationen gingen. 100.000 Bälle müssen pro Jahr verkauft werden, um das Projekt auch nach der WM dauerhaft zu sichern.

Die Organisation – Talon Sports
Pakistan, mehr als doppelt so groß wie die BRD, grenzt an Indien, den Iran China und Afghanistan. Die Stadt Sialkot im Nordosten Pakistans ist das Zentrum der Sportartikelindustrie. Sialkot hat rund 500.000 Einwohner, davon arbeiten etwa 25.000 bis 30.000 in diesem Wirtschaftszweig. Fast alle namhaften Sportartikel-Weltmarken werden dort von Subunternehmen hergestellt. Aufgrund der niedrigen Löhne im kommerziellen Handel müssen neben den Erwachsenen auch die Kinder mitarbeiten, damit die Familien ihre Ausgaben bestreiten können.

Die gepa bietet seit 1998 Fußbälle von dem Familienunternehmen Talon Sports aus Sialkot an, die eine Alternative zu den Bällen aller großen Hersteller sind. Während sich die kommerziellen Firmen aufgrund von starkem internationalen Druck in der sogenannten Atlanta-Vereinbarung verpflichtet haben, auf die Arbeit von Kindern und Jugendlichen unter 14 Jahren zu verzichten, geht der Ansatz von Talon Sports weit darüber hinaus. Das junge, mittelständische Unternehmen zahlt für die fair gehandelten Bälle Löhne, die bis zu rund 40 Prozent über dem durchschnittlichen Niveau liegen. Erst diese fairen Löhne ermöglichen es den Familien, auf Dauer auf die Mitarbeit ihrer Kinder verzichten zu können.

Die Bälle von Talon Sports werden heute zu rund 35 Prozent von Frauen genäht. Dies ist besonders wichtig, da das Nähen von Bällen für Frauen eine der wenigen Möglichkeiten ist, berufstätig zu sein. Bei Talon Sports werden die Aufträge der gepa – sofern zeitlich möglich – bevorzugt an die Näherinnen vergeben.

fussballDie Produzenten
Talon Sports arbeitet insgesamt mit derzeit 1.800 Ballnäherinnen und -nähern zusammen, darunter 635 Frauen. In einem Monat, der bis zu 24 Arbeitstagen hat, kann ein erfahrener Näher oder eine Näherin je nach Qualität zwischen 70 und 144 Bälle nähen. Bereits wenn zwei Erwachsene je etwa zwei Drittel ihrer Bälle zu fairen Bedingungen herstellen könnten, wäre der Grundbedarf ihrer Familie von monatlich 6.000 Rupien gedeckt. Die Produzenten werden nach Stücklohn bezahlt, abhängig von der Qualität der gefertigten Bälle. Im Schnitt erhalten sie durch den Fairen Handel Löhne, die zwischen 20 und fast 40 Prozent höher sind als im kommerziellen Handel. So verdient eine Ballnäherin zum Beispiel an einem Trainingsball 37 pakistanische Rupien (ein US-Dollar sind im September 2001 63 Rupien), wenn er für den Fairen Handel hergestellt wird. Sie erhält für einen gleichwertigen Ball etwa 14 Rupien weniger, wenn er über den kommerziellen Handel vermarktet wird.

Produktion und Vermarktung
Das Material für die Bälle wird in der Fabrik von Talon Sports in Sialkot vorbereitet. Vier verschiedene Stofflagen werden mit Latex auf Kunststoff geklebt und auf Kundenwunsch bedruckt. Aus diesen Bahnen werden dann die einzelnen 32 Waben ausgestanzt, die einen Ball ergeben. Das ausgestanzte Material wird zusammen mit der Ballblase und den Fäden an die Nähzentren in der Umgebung von Sialkot weitergegeben. In den Nähzentren werden die Bälle dann zusammengenäht. Die hohe Qualität, zum Beispiel der gepa-Fußbälle, entspricht den Anforderungen, die die Fußballbegeisterten an Bälle stellen. Sie zeichnen sich durch eine langlebige Latexblase im Inneren des Balles und die Verwendung von robustem Synthetikmaterial aus.

Die Vermarktung in Deutschland erfolgt seit Frühjahr 1998, damals speziell zur Fußball-Weltmeisterschaft eingeführt. Bis März 2002 wurden von der gepa rund 198.000 Bälle bei Talon Sports bestellt, davon für den Vertrieb in Deutschland circa 116.400 Stück, während 81.600 Bälle an die europäischen Fair Handelsorganisationen gingen. Weitere rund 300.000 Bälle wurden in den vergangenen Jahren von neun Importeuren unter anderem aus Italien, Japan, Schweden und Kanada bei Talon Sports bestellt. Nach dem großen Anfangserfolg zur Fußball-Weltmeisterschaft 1998 ist die Zahl der in Pakistan bestellten Bälle insgesamt jedoch stark rückläufig.