Jeans-Ausstellungstafeln

Hier finden sie sämtliche Texte der Ausstellungstafeln. Im Original enthält jede Tafel mindestens eine Grafik oder ein Foto.

1. Fühltafel
(Als Einstieg sollen Stoffe aus verschiedenen Materialien ertastet werden. Die Tafel ist dabei abgedeckt. Im zweiten Durchgang darf auf die Beschriftung unter den Stoffmustern geschaut werden.)

2. Was ist Kleidung?
(‘Reißverschluss-Blatt‘ mit den verschiedenen Bedeutungen, die Kleidung in unserem Leben haben kann.)

3. Die Baumwollpflanze
Baumwollstoffe sind dehnbar, waschfest, hautfreundlich, luftdurchlässig, temperaturausgleichend und nehmen Feuchtigkeit gut auf. Deshalb besteht heute etwa die Hälfte aller Kleidung aus Baumwolle. Die Baumwollpflanze ist ein Malvengewächs und wächst am besten im feuchtwarmen Klima. Sie wird als einjährige Feldfrucht angebaut. Zu Textilien verarbeitet wird der weiße Flaum aus der reifen Fruchtkapsel.

4. Die Anbauländer
Die Baumwollpflanze ist eine der ältesten Kulturpflanzen. Sie wird schon seit etwa 5000 Jahren in Peru und Indien genutzt. Heute wird Baumwolle in über 70 Ländern der Erde angebaut. Manche Länder, zum Beispiel Burkina Faso und der Sudan, sind stark vom Baumwollanbau abhängig. Die Hauptanbauländer sind China, die USA, Indien, Pakistan, Usbekistan, die Türkei und Brasilien.

5. Baumwollanbau
Die Baumwolle wird oft auf riesigen Feldern angebaut. Sie braucht viel Wasser, was besonders in heißen Gegenden zur Versalzung des Bodens führt und Dürrekatastrophen begünstigt. Um möglichst hohe Erträge zu erzielen und das Risiko durch Krankheiten und Schädlinge gering zu halten, wird die Baumwolle schon auf dem Feld etwa 25 mal mit Pflanzenschutzmitteln behandelt.
Pflanzenschutzmittel werden in der Fachsprache Pestizide genannt. Leider sind viele von ihnen auch für Menschen schädlich. Meist sind die ArbeiterInnen den Pflanzenschutzmitteln schutzlos ausgeliefert. Pestizide belasten außerdem den Boden, das Grundwasser, die Flüsse und die Luft. Im Baumwollanbau werden in manchen ärmeren Ländern sogar Giftstoffe eingesetzt, die in den Industrienationen bereits verboten sind. Ein gutes Geschäft auch für deutsche Chemiefirmen.

6. Der Preis
Die Ernte der Baumwolle wird häufig noch von Hand erledigt, weil die Fasern dann weniger Verunreinigungen enthalten. Die Pflückerlnnen müssen aufpassen, dass sie sich nicht an den spitzen Kapseln verletzen. Sie schuften oft 14 Stunden am Tag und erhalten dafür einen sehr geringen Lohn. Oft werden auch Kinder bei der Baumwollernte eingesetzt, weil sie sich besser bücken können und noch weniger Lohn erhalten. Auch selbständige Kleinbauern können mit dem Baumwollanbau kaum ihre Familien ernähren, denn der Baumwollpreis ist zu niedrig.

7. Faden- und Garnherstellung
Nach dem Pflücken wird die Baumwollfaser von den Samen getrennt, gereinigt, gekämmt und zu einem Faden versponnen. Durch das Ineinanderdrehen mehrerer Fäden entsteht der Zwirn, der reißfester als der einzelne Faden ist. Diese Verarbeitungsschritte können gut von Maschinen übernommen werden. Zur Überwachung werden nur noch sehr wenige ArbeiterInnen benötigt.

8. Gewebeherstellung
Aus dem Zwirn wird durch Schlingen oder Weben ein Stoff hergestellt. Auch dies geschieht heute meist durch hochmoderne, teure Maschinen. Der Lohn für die wenigen Arbeiterinnen fällt kaum ins Gewicht. Deshalb werden diese Verarbeitungsschritte oft in den Industrieländern oder in den Schwellenländern Südostasiens durchgeführt.

9. Nicht so edel – Die Textilveredelung
Nach dem Weben wird der Stoff zunächst gebleicht. Dies geschieht häufig noch mit gefährlichen Chlorverbindungen. Danach geht’s ins Färbebad. Viele Textilfarbstoffe sind sowohl bei der Herstellung als auch beim Färbeprozess umwelt- und gesundheitsschädlich. Nach dem Färben wird der Stoff durch weitere Chemiebäder gezogen, um ihn pflegeleicht, knitterfrei, schrumpfbeständig, seidig glänzend, kuschelweich, bügelfrei, schmutz- und wasserabweisend oder schwer entflammbar zu machen. Jedes dieser Chemiebäder verbraucht und verunreinigt viel Wasser. Außerdem löst sich ein Teil der chemischen Hilfsstoffe beim Tragen des Kleidungsstückes und geht „unter die Haut“.

10. „made in“… aller Welt
Die Entwicklung in der Computer- und Nachrichtentechnik sowie die niedrigen Transportpreise machen es möglich: Weltweit sind Firmen auf der Suche nach billigen Arbeitskräften, Steuervorteilen und geringen Sozial- und Umweltauflagen. Sie versuchen dabei überall soziale und ökologische Standards zu drücken, um möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Verschiedene Länder werden gegeneinander ausgespielt. Die Bekleidungsindustrie ist stark davon betroffen, weil bei der Weiterverarbeitung des Stoffes zu Kleidung sehr viel Handarbeit anfällt. Die massenhaft vorhandene billige Arbeitskraft in den sogenannten Entwicklungsländern wird bedenkenlos ausgenutzt.

11. Design
Die Jeans wird auf dem Zeichentisch oder mit dem Computer von gut bezahlten Designerlnnen in den Industrieländern entworfen. Dort wird auch ein Probemodell hergestellt. Wenn die Produktion des Modells aufgenommen werden soll, wird der Entwurf zum betreffenden Fabrikanten irgendwo auf der anderen Seite der Welt gefaxt.

12. Zuschneiden
Der Fabrikant lässt den vorgegebenen Stoff zuschneiden. Das geschieht von Hand oder maschinell. Die fertig zugeschnittenen Stücke werden in die Länder transportiert, in denen sie am billigsten zusammengenäht werden.

13. Nähen
Die Näharbeit ist der arbeitsintensivste Teil des Fertigungsprozesses. Sie erfolgt deshalb oft dort, wo billige Arbeitskräfte vorhanden sind. Fast immer nähen Frauen. In Westeuropa wird diese Arbeit häufig in sogenannten „sweatshops“ (Kleinfabriken mit schlechten Arbeitsbedingungen), in illegalen Nähstuben und in Heimarbeit erledigt. Massenproduktionen stammen jedoch aus den Weltmarktfabriken in Mittelamerika („Maquilas“) und in Südostasien. Diese Fabriken liegen in „Freien Produktionszonen“, die geschaffen wurden, um ausländische Firmen anzuwerben. Die „Freien Produktionszonen“ bieten Steuererlass und Zollfreiheit. Außerdem gelten dort keine Umwelt-, Gesundheits-, Arbeitsrechts- und Arbeitsschutzbestimmungen. Menschenrechtsverletzungen sind in den Weltmarktfabriken an der Tagesordnung. Am liebsten werden dort ganz junge Frauen angestellt. Sie erhalten keinerlei Ausbildung und müssen immer denselben Arbeitsgang erledigen. Sie nähen zum Beispiel das linke Hosenbein der Jeans zusammen und dies im Akkord und unter ständiger Kontrolle. Dafür bekommen sie einen Hungerlohn.

14. Alltag in der Weltmarktfabrik
Die 16jährige Maria Elena arbeitet in einer Maquila in Guatemala. Sie arbeitet sechs Tage in der Woche 10 bis 12 Stunden täglich. Oft werden Überstunden nicht bezahlt, und manchmal muss sie nachts arbeiten. Während der Arbeitszeit darf sie nicht sprechen und nur zweimal am Tag auf die Toilette gehen. In der Fabrikhalle ist es heiß und stickig, es gibt keine Notausgänge, keine Lüftung und keine Feuerlöscher. Gegen körperliche Übergriffe von Vorgesetzten darf sie sich nicht wehren, sonst wird sie sofort entlassen. Eine Gewerkschaft ist nicht zugelassen. Es gibt keinen Tariflohn. Der Arbeitgeber bestimmt, wie viel er bezahlt. Er kann sich das leisten, weil genügend Arbeitslose vor den Fabriktoren warten.

Alltag in Deutschland
Die Verlagerung der Textilproduktion in ärmere Länder hat zahlreiche Arbeitsplätze bei uns vernichtet. Außerdem versuchen die Textilherstellerlnnen auch hier, durch ungeschützte Arbeitsverhältnisse, Teilzeitarbeits- und 325-Euro-Jobs die Produktionskosten zu drücken – wieder zu Lasten von Frauen.

15. Weltreise einer Jeans
Für eine Jeans könnte die Baumwolle aus Kasachstan kommen und die Spritz- und Düngemittel für den Anbau aus Deutschland. Zu Garn verarbeitet wird die Baumwolle in der Türkei auf einer Schweizer Maschine. Der Stoff wird in Taiwan gewebt, in Frankreich mit chinesischen und polnischen Farben bedruckt, auf den Philippinen zugeschnitten und in Guatemala genäht. Nun braucht sie noch Knöpfe aus Großbritannien. Wenn sie fertig ist, ist sie einmal um die Welt gereist und trotzdem billiger, als wenn sie ganz in Deutschland hergestellt worden wäre. Das ist nur durch geringe Transportkosten und extreme Billiglöhne in anderen Teilen der Welt möglich. Den Preis dafür zahlen die Bauernfamilien, die ArbeiterInnen und die Umwelt.

16. Wer verdient wie viel an der Jeans?
Die Aufteilung des Endverbraucherpreises am Beispiel einer Jeans, die in Osteuropa genäht wurde:
50% Einzelhandel und Mehrwertsteuer
25% Werbung und Verwaltung
11% Transport und Steuern
13% Herstellungskosten und Gewinn
1 % Löhne für die NäherInnen

17. Der Weg der Altkleider
Die Werbung für Kleiderspenden verspricht oft, dass wir damit Bedürftigen helfen könnten. Oft sieht die Realität anders aus: Altkleider sind zum großen Geschäft geworden. Nur etwa 5% der Kleiderspenden werden direkt in Kleiderkammern und für die Katastrophenhilfe verwendet. Den Rest verkaufen die Hilfsorganisationen an kommerzielle Händler. Diese verkaufen die besten Stücke an Secondhand-Läden. Der größte Teil der noch tragbaren Kleidung wird aber ins Ausland verkauft. Verschenkt, wie viele SpenderInnen glauben, wird fast nichts.

18. Wer trägt heute Eure Klamotten von gestern?
So tragen viele Afrikaner und Afrikanerinnen heute abgelegte Kleidung aus Europa und Nordamerika. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn die billige Konkurrenz durch Altkleider nicht die einheimische Textilindustrie zerstören würde. So gehen jährlich in verschiedenen afrikanischen Ländern tausende von Arbeitsplätzen in der Textilindustrie verloren.

19. Was sollen wir tun mit unseren Altkleidern?
Die SpenderInnen sind verunsichert, aber es gibt Alternativen: Sie können bedürftigen Menschen am besten helfen, wenn Sie ihre Altkleider gezielt an Kleiderkammern oder Privatinitiativen abgeben. Kleidung auf Flohmärkten zu verkaufen macht Spaß. Wenn Sie Zeit und Lust haben, nähen Sie selber, reparieren Sie ihre kaputten Kleider. Wenn Sie in Secondhand-Läden einkaufen, gehen Sie kein Risiko ein, denn bei den Altkleidern sind die giftigen Chemikalien schon ausgewaschen. Genauso sinnvoll ist der Kleidertausch unter Freundinnen und Bekannten. Und wenn es doch einmal der Altkleidersack sein soll, spenden Sie nur an Organisationen, die dem gemeinnützigen Dachverband FAIRWERTUNG e.V. angeschlossen sind.

20. Was können wir tun?
Nutzen Sie Ihre Macht als Konsumentln und fragen Sie in Geschäften nach, woher die Kleidung kommt und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wird. Bevorzugen Sie langlebige Kleidung, für die die Herstellerfirmen einen gerechten Preis erhalten haben. Ihre Kleidung sollte auch unter möglichst geringen Umwelt- und Gesundheitsbelastungen hergestellt worden sein. Solche Kleidung gibt es z.B. in einigen Weltläden. Kleidung aus dem Secondhand-Laden bietet manchmal preiswerte und dabei originelle Alternativen ohne Umweltbelastung. Unterstützen Sie die Kampagne für ‘Saubere‘ Kleidung, die Einzelhandelsgeschäfte dazu bewegen will, nur Kleidung von Herstellerlnnen zu kaufen, die sozial und ökologisch verträglich produzieren.