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Landesehrenbrief für Weltladen-Gründerin Ilse Staude

Die Versammlung von Mitgliedern und Freunden des Weltladens im Gemeindesaal der Gießener Pankratiusgemeinde bildete eine schöne Kulisse für die Verleihung des Landesehrenbriefes an die Staufenbergerin Ilse Staude.

(© Gießener Anzeiger)

In ihrer Laudatio sagte Landrätin Anita Schneider, Ilse Staude sei die einzige „bestehende“ und immer noch aktive Gründerin des Gießener Weltladens. Seit der Gründung des Vereins „Solidarische Welt“ im Jahre 1979 bis zur Übernahme des Amtes durch Klaus-Dieter Grothe war sie die erste Vorsitzende und damit der Motor und die Seele des Vereins sowie des Weltladens. „Sie ist das Gesicht des Vereins“, betonte die Landrätin.

Ilse Staude kam 1977 aus Baden-Württemberg mit der Idee eines Weltladens im Gepäck ins Gießener Land. Ihrer Meinung nach galt es, die Fluchtursachen zu bekämpfen, sie wollte nicht um Spenden für die „Dritte Welt“ bitten, sondern armen Menschen ihre heimischen Produkte zu fairen Preisen abkaufen. Das Ziel war und ist, den Menschen dazu zu verhelfen, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen, damit sich ihr Leben positiv verändern kann und sie weiterhin in ihrem Heimatland leben können. „Die Idee des fairen Handels verankert sich in Ilse Staudes Herz“, so Anita Schneider. Ihr habe es damals nicht gereicht, als Pfarrerin nur für Gerechtigkeit zu beten, sondern sie wollte etwas aktiv dafür tun
und gründete somit 1979 den Weltladen in Gießen.

Bis zu dem Ladengeschäft in der Bismarckstraße war es dennoch ein langer Weg. Alles begann in einem Hinterhof in der Alicenstraße – den kleinen Laden fand jedoch kaum jemand. Staude und ihr Team zogen zunächst in eine umgebaute Garage in der Steinstraße und dann in einen winzigen Laden in der Ebelstraße. 1996 erfuhr der Verein, dass eine Buchhandlung in der Bismarckstraße schließt. Der Verein konnte mit seinem Weltladen einziehen und blieb dort bis 2018. Erneut stand ein Umzug an. Gemeinsam mit der Tourist-Info zog der Weltladen in die Innenstadt Gießens
ein. Der Vorstand des Weltladens erhofft sich viel Laufkundschaft und natürlich erhöhten Umsatz. Nicht für sich – Ilse Staude hat in den vergangenen Jahrzehnten mehr in den Laden gesteckt, als dieser je abgeworfen hätte. Sie macht Werbung für jede verkaufte Tafel Schokolade, denn die hilft den Bauern vor Ort in Asien, Afrika und Südamerika. Anita Schneider unterstrich ihr Eintreten – auch politisch – für die vielen Menschen, in den bisher als „Dritte Welt“ bezeichneten Ländern.
„Sie wird nie müde, die Gesprächsfäden in steinigen politischen Umfeldern
wieder und wieder aufzunehmen, um für die Menschen einzutreten und für mehr Gerechtigkeit zu sorgen“. In ihrer Zeit als Schulpfarrerin der Theo-Koch-Schule in Grünberg habe sich Staude unnachgiebig für den Titel „Schule gegen Rassismus“ eingesetzt. Sie fungiert seit April 1993 als Stadtverordnete der Stadt Staufenberg. Aktuell ist sie Fraktionsvorsitzende der Grün-Alternativen Liste (GAL) und Stellvertreterin des Stadtverordnetenvorstehers. Auf ihre Initiative hin wurde Staufenberg 2013 zur Fair Trade Town ernannt.

Ihr Nachfolger beim Vorsitz des Weltladens, Klaus-Dieter Grothe erklärte, es sei „etwas Besonderes, dass der Weltladen überhaupt so funktioniert“. Das Team besteht derzeit aus 25 Ehrenamtlichen und zwei bezahlten Bildungsreferenten. Sichtlich überrascht zeigte sich die Staufenbergerin über die hohe Auszeichnung und musste deshalb wegen einer Rede passen. Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller und die Gießener Stadträtin Gerda Weigel-Greilich gratulierten persönlich.


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